Kirche für Hanau. Kirche für Dich.

Säen, Wachsen, Ernten

„Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der Samen auf seinen Acker säte.“ Matthäus 13,24

Als Jesus öffentlich auftrat, war er 30 Jahre alt. Vorher hatte er als Zimmermann Menschen geholfen, ihre Häuser zu bauen. Zimmermann ist ein technischer Beruf. Ein Handwerker nimmt einen Werkstoff und bearbeitet ihn so lange, bis er seinem Bauplan entspricht. Was nicht passt, wird passend gemacht. Das dürfte Jesus mehr als die Hälfte seines Lebens gemacht haben. Ich würde von Jesus eigentlich erwarten, dass er in seinen Gleichnissen Bilder aus seiner Berufswelt benutzt, um uns sein Königreich zu erklären. Das macht er aber so gut wie gar nicht. Er benutzt vor allem Bilder aus der Landwirtschaft. Die meisten davon haben was mit Säen, Wachsen und Ernten zu tun. Ein Landwirt arbeitet anders als ein Handwerker. Er arbeitet mit lebenden Dingen. Er stellt kein Leben her. Leben entsteht aus Leben. Seine Kunst besteht vielmehr darin, lebenden Dingen die Möglichkeit zu geben, das zu entfalten, was in ihnen steckt. Es geht darum, Wachstum möglich zu machen, zu fördern und Schädliches zurückzuhalten. Die Arbeit eines Landwirtes hat auch viel mit Zeit und Zeitpunkten zu tun. Der Beruf, den wir ausüben, hat einen prägenden Einfluss auf unser Leben. Schnell entsteht deshalb die Neigung, die beruflichen Erfahrungen auf andere Lebensbereiche zu übertragen. Ich habe beobachtet, dass das fürchterlich schief gehen kann. Zum Beispiel kann ich mit Kindern nicht umgehen, wie ich ein Möbelstück bearbeiten würde. Seelsorge nach Art eines Projektemanagements zu betreiben, macht den Schaden größer. Je länger ich darüber nachdenke, umso wichtiger werden mir die Prinzipien, die Jesus uns gezeigt hat. Die Prinzipien von Säen, Wachsen und Ernten. Wir leben in einer hochindustrialisierten Welt. Vielen sind diese Prinzipien fremd geworden. Ich fürchte, dass sich das auch in unserm Verständnis von Mission und Gemeindebau wieder spiegelt. Deshalb will ich beispielsweise die Jahreszeiten bewusst erleben. Weil mir das Erleben dieser natürlichen Vorgänge hilft, Jesus und seine Beispielgeschichten besser zu verstehen.

Ihr Kinder- und Jugendreferent Michael Fischer

Bild: Stephen Radford/Unsplash