Kirche für Hanau. Kirche für Dich.

Gastfreundlich

„Komm, sei unser Gast“ war das Motto zur Nacht der Kirchen im September. Eine gute Werbeveranstaltung für die Kirchen unserer Stadt. Aber warum gehen Menschen überhaupt zur Kirche? Manche gehen in eine Kirche wegen der ansprechenden Predigten, andere wegen der Musik oder weil das Kinderprogramm so toll ist. Und Umfragen zeigen: Kirchen, die wirklich gastfreundlich sind, werden gerne aufgesucht und auch statistisch gesehen wachsen sie stärker als andere. Problem ist: Oftmals denken Gemeinden, dass sie natürlich gastfreundlich sind, das sei doch selbstverständlich. Bei genauem Hinsehen ist man aber nur freundlich zu denen, die schon 15 Jahre und länger die Kirche besuchen. Wenn unsere Nachbarn bei sich zu Hause Gäste erwarten, parken sie (zum Ärger der Nachbarn) alle ihre Autos auf der Straße oder in der Umgebung, damit ihre Gäste die Hofeinfahrt direkt beim Haus benutzen können. Gästefreundlich eben!

Wenn Gäste das erste Mal einen Gottesdienst besuchen, brauchen sie Orientierung: Wo sind die Toiletten? Kann ich meine Kinder irgendwo abgeben? Was machen die dort? Wann sehe ich sie wieder? Wir haben eine Info-Ecke eingerichtet und ich hoffe, dass dort neben dem Begrüßungsteam auch Menschen sein werden, die Gästen gerne weiterhelfen und gute, freundliche Ansprechpartner sind. Wer schon einmal einen Gast bei sich aufgenommen hat, möchte nichts lieber, als dass der Gast sich wohlfühlt. Wenn ich mit dem Flugzeug unterwegs bin, dann schaue ich mir (falls es möglich ist) die Piloten an, die Crew und die Menschen, die mit mir in diesem Flugzeug sitzen. Denn zunächst wirkt das ja alles etwas beklemmend mit so vielen Fremden auf engem Raum zu sitzen, völlig dem Flugpersonal ausgeliefert zu sein und nie zu wissen, wann das Flugzeug abstürzen wird. Und dann empfand ich es beim ersten Mal befreiend, als die Stimme aus den Lautsprechern sagte: Lehnen sie sich bequem zurück, seien Sie ganz entspannt und genießen Sie den Flug.

Das ist auch unsere Herausforderung in der Kirche, wenn wir gastfreundlich sein wollen: Menschen zu helfen, dass sie zur Ruhe kommen, entspannt sein können und sich rundum wohlfühlen. Und nicht vergessen: Die Eindrücke der ersten 12 Minuten entscheiden ganz wesentlich darüber, ob jemand gerne wiederkommt.

Pastor Jonathan Lehmann