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Gegenwind

„Jesus sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind.“ – Markus 6,48

In unseren Alltagsnöten und Problemen wünschen wir uns nicht selten, dass uns Jesus leibhaftig begegnet. Wie großartig wäre es, wenn Jesus wieder hier auf der Erde leben würde. Dann könnte er uns direkt helfen. Wir würden viel mehr an ihn glauben und ihm vertrauen. Wir könnten ihm unsere Fragen stellen und er würde uns antworten. Er würde Ordnung in unsere Welt bringen. Zumindest stellen wir es uns so vor.

Als die Jünger nach der Speisung der 5000 von Jesus auf den See Genezareth vorausgeschickt wurden und in einen Sturm gerieten, müssen sie sich ähnlich gefühlt haben. Jesus hatte sich zum Beten zurückgezogen und sie waren nun allein. Mit ausreichend Gegenwind. Wenn Jesus doch nur jetzt hier wäre, so wie beim letzten Mal, als sie in einen Sturm gerieten. Dann wäre alles gut.

Markus schreibt in seinem Bericht, dass Jesus sah, wie die Jünger sich auf dem See abmühten und er ihnen anschließend auf dem Wasser entgegengeht. Doch seine Nachfolger bekamen es mit der Angst zu tun und hielten ihn für einen bösen Wassergeist. Selbst als sie ihn erkannten und der Sturm sich legte, so sagt uns Markus, hatten sie immer noch nicht verstanden, wer Jesus wirklich war.

Wie sieht es bei uns aus: Vertrauen wir Jesus, dass er uns sieht, auch wenn wir Gegenwind haben? Erkennen wir ihn, wenn er uns auf ungewöhnliche Art und Weise begegnet? Verstehen wir, dass Jesus kein Gespenst, sondern der Herr über alle Stürme ist? Und was lernen wir aus der Situation, wenn wir wieder einmal in Not sind? Wenn wir uns wieder einmal wünschen, Jesus stünde direkt vor uns?

Die Jünger würden sich bald wieder in einer Situation befinden, wo sie die Welt (und Jesus) nicht mehr verstanden. Anstatt dass Jesus zum König gekrönt wurde, sollte er sich bald in Gefangenschaft und innerhalb weniger Tage am Kreuz auf Golgatha befinden. Doch auch dort und darüber hinaus würde Jesus zeigen, wer er wirklich ist und was ihm die Menschen bedeuten.

Vielleicht kann uns das dazu ermutigen, uns weniger darüber Gedanken zu machen, wo Jesus ist und ob wir ihn in unserem Leben sehen können. Viel entscheidender ist, wer Jesus ist und dass er uns sieht. Auch dort, wo wir uns bei Sturm und Gegenwind abmühen.

Dennis Lieske, Auszubildender für pastorale Dienste

Bild: unsplash/Timothy Ah Koy