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„Ich habe keine Zeit“

Wie stark kann man sich daran gewöhnen, sich selbst oder anderen solch einen Satz einfach in die Tasche zu lügen. Nehmen wir mal an, jemand wird 85 Jahre alt, das sind über 30.000 Tage. Aufgeteilt hat jeder Mensch 24 Stunden an jedem Tag als Geschenk zur Verfügung. Im Klartext: Jeder von uns hat Zeit, sehr viel Zeit! Wir wissen aber, dass die Zeit einfach weiterläuft und wir sie nie anhalten können. Das macht sie so wertvoll. Eine Sekunde nach der anderen vergeht, ohne Ausnahme. Durch unseren Tod ist sie individuell begrenzt. Das bedrückt uns manchmal. Soll ich sie besser managen? Wir können allenfalls unseren Zeitverbrauch messen. Aber so viel wie möglich in eine Stunde reinzupacken, bringt nichts. Die griechische Sprache kennt zwei unterschiedliche Begriffe für Zeit: „Chronos“ als die Zeit, die man messen kann. Und „Kairos“, die qualitativ gefüllte Zeit. Man kann z.B. das Richtige zur falschen Zeit tun, dann ist es falsch. Ich habe in unserem Garten mal Samen ausgestreut. Aber da wuchs nichts. Ich habe sie zur falschen Zeit ausgesät. Ich habe „Zeit gehabt“, ich habe „Chronos gehabt“, aber ich hatte den Kairos, die richtige Zeit, schon lange verpasst. Manche Dinge muss man zur richtigen Zeit tun. Erdbeeren muss man pflücken, wenn sie reif sind. Wäsche muss man aufhängen, solange die Sonne scheint. „Jedes Ereignis auf der Welt hat seine Stunde!“ sagt der Prediger in der Bibel. Wir müssen uns entscheiden. Man kann nicht gleichzeitig entspannen und sich konzentrieren. Wer seine Zeit nicht organisiert, für den verrinnt sie wie im Flug. Das Gefühl, „mir läuft die Zeit davon“ könnte an schlechter Organisation liegen oder man hat sie schlicht für andere Dinge reserviert, die einem wertvoller erscheinen. Und warum sollte ich das meinem Gegenüber nicht sagen dürfen, dass ich so entschieden habe? Unser Problem ist häufig, dass wir zu häufig unsere Ziele und Richtungen ändern und uns nicht immer klar ist, was wir eigentlich wollen. Und dann hängen wir herum und wissen mit der Zeit nichts anzufangen. Eine Stunde pro Tag „verdaddeln“, bedeutet aufs Jahr gerechnet, bei einem 8-Stunden Arbeitstag in der Summe 45 Arbeitstage, also 1,5 Monate verplempern. Zeit hat man nicht, die nimmt man sich! Ich liebe den Spruch von Cicely Saunders „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben zu geben!“