„Doch als Paulus die Rede dann auf Gerechtigkeit und Selbstbeherrschung brachte und vom künftigen Gericht sprach, bekam Felix es mit der Angst zu tun.“ Apg.24,25
Felix kommt ins Schwitzen
Felix war kein Kind von Traurigkeit. Er nahms locker. Beispielsweise überredete er seine dritte Frau Drusilla mit Hilfe eines Zauberers, ihren ersten Mann zu verlassen. Felix war etwa ab 52 n.Chr. römischer Statthalter der römischen Provinz Judäa. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus sagte über ihn, dass er mit Wildheit und Gier die Macht eines Königs ausübte, gepaart mit dem Gemüt eines Sklaven. Just vor diesem Stadthalter musste sich Paulus verantworten. Nachdem der Anwalt der jüdischen Ankläger seine Vorwürfe dargelegt hatte, antwortete Paulus. Dann verschleppte Felix den Prozess. Paulus wurde zurück in Gewahrsam geschickt, allerdings unter erleichterten Bedingungen. Einige Tage später ließ Felix Paulus noch mal vorführen. Er wollte mehr über den Glauben an Jesus erfahren.
Was hätten Sie an der Stelle von Paulus gesagt? Paulus redete Klartext. Bei ihm gehörte zur Verkündigung des Evangeliums nicht nur das „Heilsgeschehen“, sondern an den Zuhörer gerichtete konkrete Anwendungen für dessen Leben. Ausgerechnet gegenüber dem Schwerenöter Felix sprach Paulus von Gerechtigkeit, Selbstbeherrschung und künftigem Gericht, sprich Verantwortung vor Gott. Überraschenderweise bekam Felix es mit der Angst zu tun. Er hatte genug Leichen im Keller. Ihm wurde mulmig. Die Audienz wurde umgehend beendet.
Ich bewundere Paulus für seine Offenheit und seinen Mut. Außerdem halte ich fest, dass für ihn zur Evangelisation auch gehörte, von den Auswirkungen des Evangeliums auf die Lebensführung zu reden.
Nun gilt das, was er hier zu Felix sagte auch, für uns. Er nennt drei wesentliche Kernpunkte christlicher Ethik.
Erstens geht es um Gerechtigkeit. Gott liebt Gerechtigkeit und hasst Ungerechtigkeit. Ebenso tauchen Selbstbeherrschung, Mäßigkeit oder Enthaltsamkeit immer wieder in der Bibel auf. Und drittens: persönliche Verantwortung, die Jesus einmal in seinem Gericht Gottes abfragen wird.
Nur mal angenommen, also rein hypothetisch, Paulus meint das ernst: Wäre das nicht erschreckend?
Andererseits, in einer Welt, die ungerecht, gierig und weitgehend verantwortungslos lebt: Was könnten Schüler von Jesus, die danach leben, für einen Unterschied machen!
Pastor
Michael Fischer

